Vertrieb: „Die Leads taugen nichts.“ Marketing: „Der Vertrieb bearbeitet unsere Leads nicht.“ Dieser Konflikt bedeutet nicht, dass Marketing schlechte Arbeit macht. Er zeigt, dass die Abstimmung zwischen beiden Teams fehlt:
Es gibt keine gemeinsame Definition, was ein „guter Lead“ überhaupt ist. Übergaben sind nicht klar geregelt: weder das Wann noch das Was-passiert-danach. Strukturiertes Feedback zwischen Marketing und Vertrieb findet nicht statt.
Die gute Nachricht: Genau das lässt sich mit überschaubarem Aufwand lösen:
Woran erkennen Sie, dass auch bei Ihnen die Abstimmung nicht stimmt? Typische Symptome:
Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie mit vier konkreten Schritten ein funktionierendes Marketing-Sales-Alignment aufbauen – also die systematische Abstimmung beider Teams auf gemeinsame Definitionen, Prozesse und Ziele.
Was Sie nach dem Lesen in der Hand haben: Einen konkreten Fahrplan, den Sie in der kommenden Woche mit Vertrieb umsetzen können, inklusive Agenda für das erste gemeinsame Meeting und einer Nachricht, die Sie direkt an Ihren Vertriebsleiter weiterleiten können.
Bevor Sie Prozesse und Regeln definieren, brauchen Marketing und Vertrieb ein gemeinsames Verständnis davon, wen sie eigentlich ansprechen. Das klingt selbstverständlich, ist es in der Praxis aber selten. Beide Teams sehen unterschiedliche Ausschnitte desselben Kunden:
Beide Perspektiven sind wertvoll, aber wenn sie nicht zusammengeführt werden, sprechen beide Teams über denselben Lead und meinen unterschiedliche Dinge.
Ein gemeinsames Kundenbild setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen:
Im B2B ist das besonders wichtig, weil Kaufentscheidungen selten von einer einzelnen Person getroffen werden und sich über lange Zeiträume erstrecken können. Wenn Marketing und Vertrieb dieselben Begriffe und Kriterien nutzen, reduziert das Reibung in der täglichen Zusammenarbeit – von der Kampagnenplanung über die Übergabe bis zur Nachverfolgung einzelner Leads.
Sie beenden die „schlechte Leads"-Diskussion, indem Sie vier Dinge gemeinsam festzurren. Jeder Schritt liefert ein konkretes Ergebnis, das im Alltag genutzt wird:
So wird aus Bauchgefühl ein System, das Sie Schritt für Schritt verbessern können.
Positionieren Sie Alignment nicht als Marketing-Projekt, sondern als gemeinsames Ziel: die richtigen Kunden schneller gewinnen und weniger Zeit mit unpassenden Kontakten verlieren. Vertrieb hat das Kundenwissen, das Marketing braucht – und Marketing liefert die Sichtbarkeit und Kontakte, die Vertrieb braucht.
Drei Einwände, die vielleicht kommen:
Ein „guter Lead" ist ein Kontakt, der die Grundvoraussetzungen erfüllt, um Kunde werden zu können. Also jemand, bei dem Ihr Angebot grundsätzlich passt und der die Mindestkriterien Ihres ICP erfüllt. Ziel dieses ersten Schritts ist eine Klartext-Definition, die Marketing für Targeting und Vorqualifizierung konkret nutzen kann.
Das Ergebnis ist eine kurze, gemeinsam verabschiedete Liste:
Vermeiden Sie zwei häufige Fehler bei der Definition:
Die Kriterien müssen von außen erkennbar sein. Also Merkmale, nach denen Marketing segmentieren, targeten und vorqualifizieren kann. Kriterien, die erst nach einem längeren Gespräch sichtbar werden, helfen an dieser Stelle nicht weiter.
Bedarf ist kein Kriterium für einen guten Lead. Ob tatsächlich konkreter Bedarf besteht, kann Marketing in den meisten Fällen nicht zuverlässig feststellen. Wenn ein Lead zum ICP passt, aber im Gespräch kein akuter Bedarf da ist, war der Lead deshalb nicht „schlecht". Es bedeutet lediglich, dass die nächste Aktion eine andere sein muss als ein Verkaufsgespräch – etwa ein späteres Follow-up oder die Aufnahme in einen Nurturing-Prozess. Entscheidend ist, dass für diesen Fall klare Regeln existieren.
In diesem Schritt legen Sie gemeinsam fest, wann ein Lead von Marketing an Vertrieb übergeben wird, was Vertrieb dann tut, und was passiert, wenn aus dem Lead (noch) kein Deal wird. Das Ergebnis sind verbindliche Übergaberegeln, die beide Teams kennen und einhalten.
Zwei Begriffe, die Sie dafür brauchen:
Wo genau die Grenze zwischen MQL und SQL liegt, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Entscheidend ist, dass beide Teams dieselbe Definition verwenden. Am Anfang reicht dafür eine einfache Absprache: Welche Aktionen oder Kanäle führen zur Übergabe an Vertrieb, welche nicht?
Ein SLA (Service Level Agreement) beschreibt die Übergabe-, Reaktions- und Rückspielregeln als gemeinsame Vereinbarung. Drei Dinge sollten Sie dabei mindestens klären:
Welche Leads gehen an Sales, und welche (noch) nicht?
Das schützt beide Seiten: Vertrieb vor unnötigen Gesprächen und den Kontakt vor einem Anruf, der als aufdringlich empfunden wird.
Was passiert nach der Übergabe?
Was passiert, wenn (noch) kein Deal entsteht?
Nicht jeder übergebene Lead wird sofort zur Opportunity. Wichtig ist, dass kein Lead einfach liegen bleibt. Je nach Situation gibt es verschiedene sinnvolle nächste Schritte:
Welche Option passt, hängt vom Gespräch ab. Es sollte klar geregelt sein, wer den nächsten Schritt macht und wann, damit Leads nicht versanden.
Ein Beispiel aus unserer Praxis bei Phocus Direct: Wir haben für einen Kunden eine LinkedIn-Kampagne mit einem Awareness-Whitepaper umgesetzt – mit guten Ergebnissen: Genau die Unternehmen, die der Kunde ansprechen wollte, luden das Whitepaper herunter. Trotzdem war der Vertrieb enttäuscht, weil er Kontakte mit konkretem Kaufinteresse erwartet hatte. Das Missverständnis war vermeidbar: Wer ein Whitepaper zu einem allgemeinen Thema herunterlädt, signalisiert Interesse am Thema, nicht Kaufbereitschaft. Diese Kontakte brauchen einen Nurturing-Prozess, bevor sie gesprächsbereit sind. Besser, wir hätten das gleich zu Beginn geklärt…
Ein Feedback-Loop ist ein fester, regelmäßiger Termin, in dem Vertrieb strukturiert zurückspielt, welche Leads funktionierten und welche nicht, und Marketing daraus konkrete Verbesserungen ableitet. Die Frequenz richtet sich nach Ihrem Lead-Volumen: wöchentlich, alle zwei Wochen oder monatlich. Entscheidend ist nicht der Rhythmus, sondern dass es regelmäßig passiert und jedes Mal nach demselben Schema abläuft.
Der Ablauf kann einfach sein. Gehen Sie gemeinsam die übergebenen Leads durch und klären Sie:
Aus diesen Gesprächen entstehen konkrete nächste Schritte, etwa Anpassungen am Targeting, zusätzliche Ausschlusskriterien, Änderungen an der Website oder eine geschärfte Übergaberegel.
Unsere Erfahrung bei Phocus Direct: Als wir unser Marketing neu aufgestellt haben, gab es keinen Feedback-Prozess. Leads kamen über die Website, der Vertrieb bearbeitete sie – aber im Marketing wusste niemand, was danach passierte. Wir haben einfach angefangen: ein monatliches Meeting, gemeinsam vor dem CRM, jeden Lead durchgegangen. Kein großes Setup, kein Projekt – einfach hinsetzen und reden. Dabei wurde zum Beispiel sichtbar, dass 2025 plötzlich auffällig viele Anfragen von Werbeagenturen und KI-Startups kamen – ein Markteffekt, den wir ohne das regelmäßige Gespräch nicht erkannt hätten. Daraus haben wir neue Ausschlusskriterien abgeleitet und unser Targeting angepasst. Das monatliche Feedback-Ritual machen wir bis heute, wenn auch verändert.
Gemeinsam verbessern, nicht Schuldige suchen: Stellen Sie von Anfang an klar, dass es in diesen Gesprächen darum geht, voneinander zu lernen. Nicht darum, wer einen Fehler gemacht hat. Wenn Leads nicht gepasst haben, ist das kein Vorwurf, sondern ein Hinweis, wo die Abstimmung noch besser werden kann. Ohne diese Spielregel werden Feedback-Runden zur Schulddiskussion – und dann macht niemand mehr mit.
Dokumentation von Anfang an: Sie brauchen dafür kein ausgereiftes CRM-Setup. Eine einfache Excel-Tabelle oder ein geteiltes Dokument reicht, in dem Sie übergebene Leads und das Feedback dazu festhalten. Standardisierte Ablehnungsgründe (z. B. als Dropdown im CRM) können Sie später ergänzen, wenn das Ritual eingespielt ist.
Tipp: Nehmen Sie Ihre Feedback-Meetings auf und lassen Sie sie transkribieren. In diesen Gesprächen steckt wertvolles Wissen, das über die reine Lead-Bewertung hinausgeht: Erfahrungen aus Kundengesprächen, wiederkehrende Einwände, Marktbeobachtungen. Transkripte sichern dieses Wissen und machen es für beide Teams nutzbar.
Personas machen sichtbar, welche Rollen auf Kundenseite welche Trigger, Einwände und Informationsbedürfnisse haben. Damit synchronisieren Sie Sprache, Content und Qualifizierung zwischen Marketing und Vertrieb.
Starten Sie nicht mit dem kompletten Buying Center, sondern mit den ein bis zwei wichtigsten Rollen. Also den Personen, die in Ihren Verkaufsprozessen den größten Einfluss auf die Entscheidung haben. Ein realistischer Rahmen dafür ist ein gemeinsamer Workshop-Tag.
Im Alignment-Kontext nutzen Sie Personas konkret für:
Eine ausführliche Anleitung zur Persona-Entwicklung mit Beispiel-Personas finden Sie in unserem Blogartikel: B2B-Personas an 1 Tag entwickeln (mit KI).
Mit diesen vier Schritten legen Sie die Grundlage. Allein durch bessere Abstimmung werden Leads jedoch nicht automatisch besser. Wenn das Targeting nicht stimmt oder passender Content fehlt, ändert sich daran erst mal nichts. Aber ohne gemeinsame Definitionen und ohne strukturiertes Feedback hat Marketing schlicht keine Möglichkeit, etwas zu verändern.
„Schlecht" ist kein verwertbares Feedback – erst wenn klar ist, was einen guten Lead ausmacht, kann Marketing gezielt daran arbeiten, genau solche Leads zu liefern.
Wenn ICP, Übergaberegeln, Feedback-Ritual und die wichtigsten Personas stehen, können Sie daraus konkrete Maßnahmen, Touchpoints und Content ableiten. Dabei geht es um drei Dinge:
Unsere Erfahrung bei Phocus Direct: Aus genau solchen Feedback-Gesprächen haben wir konkrete Maßnahmen abgeleitet: z. B. eine FAQ auf unseren Landingpages, die das Mindestbudget transparent macht, und einen Telemarketing-ROI-Rechner, mit dem Interessenten selbst kalkulieren können, ob das Invest zu ihnen passt. Das Ergebnis: Viele Kontakte, die nicht zu uns passen, sortieren sich heute selbst aus, bevor sie den Vertrieb erreichen.
Das ist der Punkt, an dem Alignment wirklich sichtbar wird: nicht nur in Prozessen und Regeln, sondern in dem, was beim Kunden ankommt.
Wenn Sie heute nur fünf Minuten haben, tun Sie Folgendes: Stellen Sie einen Terminblocker für ein erstes gemeinsames Gespräch mit Vertrieb ein. 30 Minuten reichen für den Anfang. Bereiten Sie drei Fragen vor:
Allein diese drei Fragen gemeinsam zu beantworten, bringt mehr Klarheit als jedes neue Tool.
Ihre Nachricht an den Vertriebsleiter (Copy & Paste):
Hallo [Name],
ich würde gerne einen kurzen Termin (30 Min.) mit dir und ein bis zwei Kolleg:innen aus dem Vertrieb einplanen.
Hintergrund: Wir wollen euch bessere Leads liefern, die genau unsere Zielkunden sind und echten Bedarf haben. Dafür brauchen wir eure Erfahrung aus den Kundengesprächen. Ihr wisst am besten, welche Kontakte im Gespräch funktionieren und welche nicht. Dieses Wissen hilft uns, das Targeting gezielt zu verbessern, damit bei euch weniger unpassende Kontakte ankommen.
Konkret möchte ich drei Dinge klären:
Wann passt es euch diese oder nächste Woche?